Trotz der bekannten Nebenwirkungen von mRNA-COVID-19-Impfstoffen argumentieren einige Studien (hier, hier und hier) und Gesundheits-Websites (hier, hier und hier), dass ungeachtet der negativen Folgen einer Impfung es noch schlimmer sei, ungeimpft zu sein.
In einer dieser Studien kamen Dr. Christian Mueller und seine Mitautoren zu dem Schluss, dass das COVID-19-Virus – und nicht der Impfstoff – für mehr Myokarditis (Herzmuskelschäden)-Fälle verantwortlich war als der Impfstoff.
Als jedoch Rainer Johannes Klement, Ph.D.,ein Physiker am Leopoldina-Krankenhaus in Schweinfurt, Deutschland, und Harald Walach, klinischer Psychologe und Leiter des Change Health Institute in Basel, Schweiz, die Daten von Mueller neu analysierten, kamen sie zu dem Ergebnis, dass Coronaviren zwar Myokarditis verursachen können, die COVID-19 Impfstoffe aber mindestens genausoviel oder sogar mehr verursachen können.
Der Artikel von Klement erschien in der Ausgabe vom 1. Februar des Egyptian Health Journal.
Muellers Studie
Mueller wollte die Myokarditis bei geimpften und nicht geimpften Personen quantifizieren und vergleichen und mögliche Mechanismen erklären.
Um diese Mechanismen zu erforschen, testeten die Forscher die Probanden auf Antikörper gegen den Interleukin-1-Rezeptor-Antagonisten (IL-1RA), das SARS-CoV-2-Nukleoprotein, das virale Spike-Protein und 14 entzündliche Zytokine.
Da sich keiner dieser Messwerte zwischen den Studiengruppen unterschied, war die Frage des “Mechanismus” nicht geklärt.
Zur Beurteilung der Myokarditis untersuchten die Forscher 777 Krankenhausmitarbeiter (Durchschnittsalter 37 Jahre, 69,5 % Frauen) auf kardiales Troponin T, und zwar einen und drei Tage nachdem sie einen mRNA-1273-Booster erhalten hatten. Kardiologen verschreiben diesen Test in der Regel nach einem vermuteten Herzinfarkt, um das Ausmaß und die Dauer der Herzschädigung zu bestimmen.
Von den 40 Probanden (5,1 %) mit erhöhtem Troponin an Tag 3 wurde bei 22 (2,8 %) eine Myokarditis diagnostiziert, wobei 20 Fälle bei Frauen und zwei bei Männern auftraten.
Die Forscher berichteten, dass die Troponinerhöhungen bei diesen Personen leicht und vorübergehend waren und keine Anomalien im Elektrokardiogramm aufwiesen. Bei keinem Patienten traten innerhalb von 30 Tagen nach der Impfung “schwerwiegende unerwünschte kardiale Ereignisse” auf.
Das Team von Mueller kam zu dem Schluss:
- COVID-19 ist mit einem wesentlich höheren Risiko für Myokarditis verbunden, als [sic] mRNA-Impfung …
- Myokarditis im Zusammenhang mit einer COVID-19-Infektion hat eine höhere Sterblichkeit als Myokarditis im Zusammenhang mit einer mRNA-Impfung gezeigt.
- Bevor der COVID-19-Impfstoff [sic] zur Verfügung stand, waren Inzidenz und Ausmaß von Herzmuskelverletzungen im Zusammenhang mit einer COVID-19-Infektion viel höher, als in dieser aktiven Überwachungsstudie nach der Auffrischungsimpfung beobachtet wurde[sic].
Einer der Co-Autoren von Mueller hatte geschäftliche Verbindungen zu Diagnostikunternehmen. Ein anderer war zuvor von Diagnostik- und Impfstoffherstellern entlohnt worden. Mueller unterhielt zu der Zeit, als er die Studie schrieb, Beziehungen zu Diagnostik-, Pharma- und Impfstoffunternehmen.
Was hat Mueller falsch gemacht?
Eine Möglichkeit zur Messung von Behandlungseffekten besteht darin, ein Ergebnis, z. B. den Blutdruck, bei denselben Probanden vor und nach der Behandlung zu vergleichen und die Vorher-Nachher-Ergebnisse anzugeben.
Obwohl diese Möglichkeit den medizinischen Forschern bekannt war und ihm zur Verfügung stand, hat Mueller sie nicht genutzt – entweder, weil er nicht daran dachte, die Troponinwerte vor dem Booster zu messen, oder weil er sie aus irgendeinem Grund nicht meldete, vielleicht weil sie nicht mit seinen anderen Ergebnissen übereinstimmten.
Stattdessen wählte sein Team einen Ansatz, der zwei gut aufeinander abgestimmte Studiengruppen erforderte. Obwohl Mueller behauptete, dass die Placebos und die Kontrollen diese Anforderung erfüllten, unterschieden sie sich in dem Punkt, der am wichtigsten war: der Herzgesundheit.
Geimpfte Personen mit aktuellen oder kürzlich aufgetretenen Herzproblemen wurden von der Studie ausgeschlossen, während alle Kontrollpersonen gerade mit Herzsymptomen ins Krankenhaus eingeliefert worden waren und daher bereits ein höheres Risiko für eine Myokarditis aufwiesen.
Klement und Walach fanden in dem Mueller-Papier weitere Anomalien.
Sie begannen ihre Kritik mit dem Verweis auf drei Studien aus dem Jahr 2021 über die durch den Impfstoff COVID-19 ausgelöste Myokarditis (hier, hier und hier). Alle drei Studien zeigten, dass Myokarditis kurz nach der Einführung des COVID-19-Impfstoffs zu einem Problem wurde.
Sie erörterten drei Papiere im Detail:
- Eine deutsche Autopsiestudie aus dem Jahr 2023 über 25 unerwartete Todesfälle innerhalb von 20 Tagen nach der COVID-19-Impfung ergab in vier Fällen eine akute Myokarditis als wahrscheinlichste Todesursache.
- In einem Bericht aus dem Jahr 2023 über Herzmuskelentzündungen bei 303 nicht geimpften und 700 geimpften asymptomatischen Probanden wurde festgestellt, dass die Schäden bei den Geimpften signifikant höher waren und bis zu 180 Tage nach der Impfung anhielten.
- Einer der ersten Autopsieberichte, eine Studie unter indischer Leitung auf der Grundlage von Pharmakovigilanzdaten der Weltgesundheitsorganisation, berichtete über ein 2,1-fach höheres Risiko für einen Herzstillstand, ein 2,7-fach höheres Risiko für einen akuten Herzinfarkt, ein 2,6-fach höheres Risiko für erhöhte Troponinwerte und 7,3-fach höhere Werte für D-Dimere bei COVID-19-Impfungen im Vergleich zur Verwendung anderer Medikamente.
Diese Studien deuten stark darauf hin, dass Myokarditis erst nach der Einführung des mRNA-Impfstoffs zu einem Problem wurde. Sie widersprechen Muellers Aussage, dass das “Ausmaß der Herzmuskelschädigung im Zusammenhang mit der COVID-19-Infektion viel höher war als in dieser aktiven Überwachungsstudie nach der Auffrischungsimpfung beobachtet”.
Nach Ansicht von Klement und Walach ist diese Aussage aus zwei Gründen falsch.
Erstens ignorierte Mueller neben der fehlenden Gleichwertigkeit des Herzgesundheitsstatus von Kontrollen und Probanden die viel größere Anzahl von COVID-19-infizierten, nicht hospitalisierten, nicht geimpften Personen mit (vermutlich) viel niedrigeren Troponinwerten im Vergleich zu Patienten, die mit Herzsymptomen ins Krankenhaus kamen.
Zweitens argumentierten Klement und Walach, dass die Auswirkungen der Myokarditis auf die öffentliche Gesundheit nicht nur von der Inzidenz oder der Rate in den Studiengruppen abhängen, sondern auch von der Größe dieser Gruppen. Das bedeutet, dass eine niedrigere Inzidenz in einer sehr großen Gruppe (geimpfte Personen) aussagekräftiger ist als eine etwas höhere Rate in einer sehr kleinen Gruppe (mit COVID-19 infizierte Personen).
Auf dieser Grundlage schätzten Klement und Walach die Zahl der Myokarditisfälle unter allen deutschen COVID-19-Krankenhauseinweisungen auf 27 467 und unter den Geimpften auf 1,97 Millionen.
Das Ergebnis: Unabhängig vom Schweregrad der Myokarditis gab es unter den Geimpften 71,7 Mal so viele Myokarditisfälle wie unter den wegen COVID-19 ins Krankenhaus Eingewiesenen.
Eine ähnliche Analyse für die Schweiz ergab 169.960 Fälle von Myokarditis unter den Geimpften, verglichen mit 8.179 Fällen unter denjenigen, die wegen COVID-19 ins Krankenhaus mussten. Wenn auch nicht so dramatisch wie die deutschen Schätzungen, so zeigt dies doch, dass das Auftreten von Herzschäden bei Geimpften wesentlich häufiger ist als bei Krankenhauspatienten.
In einem Papier vom Juni 2021 kamen Walach, Klement und der niederländische Datenanalyst Wouter Aukema zu dem Schluss, dass die COVID-19-Impfstoffe auf der Grundlage von 700 unerwünschten Reaktionen, 16 schwerwiegenden Nebenwirkungen und 4,11 Todesfällen pro 100.000 Impfungen ohne ausreichende Sicherheitsdaten freigegeben wurden.
Die Autoren erklärten, dass das Nutzen-Risiko-Verhältnis für mRNA-Impfstoffe nicht stimme, denn “für drei durch die Impfung verhinderte Todesfälle müssen wir zwei durch die Impfung verursachte Todesfälle in Kauf nehmen”.
Mueller teilte dem Defender per E-Mail mit:
“Unsere Studie zeigt einen erheblichen Mangel an prospektiven Sicherheitsdaten zu COVID-19-Impfstoffen auf. Angesichts der Größe der geimpften Population im Vergleich zu dem viel kleineren Anteil der Bevölkerung, der sich infiziert und Symptome entwickelt hat, einschließlich eines kleinen Prozentsatzes mit möglichen Herzschäden, sollten unsere Ergebnisse qualitativ robust bleiben.”