Bei einer Frau ist wenige Tage nach der ersten Dosis des COVID-19-Impfstoffs von Pfizer-BioNTech ein seltener Fall von akutem Nierenversagen aufgetreten, der mit einer antineutrophilen zytoplasmatischen Antikörper (ANCA)-assoziierten Vaskulitis (AAV) in Zusammenhang steht.
Nach Angaben der National Institutes of Health handelt es sich bei AAV um eine Gruppe von Krankheiten, die durch die Zerstörung und Entzündung kleiner Gefäße gekennzeichnet sind. Die Krankheit tritt auf, wenn Neutrophile kleine und mittlere Gefäße des Körpers angreifen, was verschiedene Organe wie Niere, Magen, Darm und Lunge betreffen kann.
Laut einer Fallstudie, die am 18. Juli in Nephron veröffentlicht wurde, stellte sich eine zuvor gesunde 47-jährige Frau wegen beidseitiger Flankenschmerzen, allgemeiner Schwäche und beidseitiger Schwellungen der unteren Extremitäten, die drei Tage nach ihrer ersten Pfizer-Spritze auftraten, in einer Klinik für Allgemeinmedizin vor.
Forscher aus den USA und dem Libanon erklärten, die Vitalparameter der Frau seien normal gewesen und sie habe weder Atemnot noch Hämoptysen – „das Ausspucken von Blut aus der Lunge oder den Bronchien als Folge einer Lungen- oder Bronchialblutung“ – gehabt.
Laboranalysen ergaben das Vorhandensein von Proteinen, Blut und Immunzellen in ihrem Urin, hohe Kreatinin- und Harnstoffwerte im Blut und eine niedrige geschätzte glomeruläre Filtrationsrate – ein Bluttest, der „überprüft, wie gut die Nieren arbeiten“.
Ein vollständiges Blutbild ergab eine überdurchschnittlich hohe Anzahl weißer Blutkörperchen, von denen 82,8 % Neutrophile waren, und hohe Werte des C-reaktiven Proteins – ein Indikator für eine allgemeine Entzündung.
Ein Bluttest ergab ein positives Ergebnis für abnorm hohe ANCA-Werte gegen Myeloperoxidase, eines der beiden häufigsten Angriffsziele, wie ANCA Vasculitis News berichtete.
Andere Blutanalysen waren unauffällig, und es gab keine Anzeichen für Lungenschäden.
Eine Nierenbiopsie ergab eine Vernarbung und Schrumpfung der Urinableitungsröhren, was die Vermutung, dass die Frau eine ANCA-bedingte Nierenschädigung erlitten hat, weiter untermauert.
Das Vorhandensein von vernarbtem Nierengewebe „könnte auf einen chronischen Prozess hindeuten“, schrieben die Forscher und fügten hinzu, dass „AAV bei unserer Patientin unbemerkt gewesen sein könnte und sich nach der COVID-19-Impfung verschlimmert hat.“
Zur Bekämpfung der Erkrankung wurden Kortikosteroide und Azathioprin eingesetzt.
Dieser Fall reiht sich ein in Berichte über COVID-Impfungen, die Autoimmunkrankheiten fördern
Dieser Fall kommt zu früheren Berichten hinzu, die darauf hindeuten, dass COVID-19-Impfstoffe in seltenen Fällen die Entwicklung oder Verschlimmerung von Autoimmunkrankheiten wie AAV aus einem bislang unauffälligen Zustand heraus fördern können, so Patricia Inacio, Ph.D., die den Bericht für ANCA Vasculitis News zusammenfasst.
Die Forscher kamen zu dem Schluss:
„In seltenen Fällen wurden nach einer Impfung Autoimmunprozesse beschrieben. AAV ist ein Beispiel für eine Autoimmunerkrankung, die durch COVID-19-Impfstoffe ausgelöst werden oder aus einem unauffälligen Zustand aufflammen kann.“
„Ein hoher Verdachtsindex auf das Vorliegen eines autoimmunen Nierenprozesses ist immer dann angebracht, wenn eine kürzlich COVID-19-geimpfte Person wegen einer akuten Nierenschädigung vorstellig wird.“
Laut einer aktuellen Konsenserklärung zur COVID-19-Impfung bei Patienten mit immunvermittelter Nierenerkrankung sprechen diese seltenen Fälle auf eine Immunsuppression an und treten hauptsächlich nach der zweiten Impfdosis auf, so die Forscher.
Obwohl es selten vorkommt, wird „seit langem angenommen, dass Impfstoffe Autoimmunerkrankungen auslösen können, wie z. B. der Schweinegrippe-Impfstoff, der das Guillain-Barré-Syndrom auslöst“, so die Forscher.
Verschiedene Arten von COVID-19-Impfstoffen seien „sehr selten“ mit verschiedenen Autoimmunkrankheiten in Verbindung gebracht worden, darunter rheumatoide Arthritis und Lupusnephritis, fügten sie hinzu.
Der Fallstudie zufolge wurden nach der COVID-19-Impfung mehrere Fälle von Vaskulitis gemeldet.
„Sowohl die Induktion einer Vaskulitis als auch das Aufflammen einer bereits bestehenden Vaskulitis wurden nach der COVID-19-Impfung beschrieben“ schreiben die Forscher. Es wurde auch „selten gezeigt, dass AAV durch verschiedene Arten von COVID-19-Impfstoffen, einschließlich des Impfstoffs von Pfizer-BioNTech, induziert wird“.
Die Forscher beschrieben auch eine Fallserie von 29 Patienten, die nach der COVID-19-Impfung eine glomeruläre Erkrankung entwickelten.
Glomeruläre Erkrankungen – die am häufigsten mit AAV in Verbindung gebracht werden – beeinträchtigen die Fähigkeit der Nieren, das Gleichgewicht bestimmter Substanzen im Blutkreislauf aufrechtzuerhalten.
Die Forscher schrieben:
„Nur in zwei dieser Fälle kam es zu einer vollständigen Genesung. Von allen 29 Fällen hatten sechs eine halbmondförmige Glomerulonephritis. Bei vier von zehn ANCA-positiven Glomerulonephritis-Fällen trat die Krankheit nach der Impfung mit dem COVID-19-Impfstoff von Pfizer-BioNTech auf, wobei es in keinem dieser Fälle zu einer vollständigen Genesung kam, obwohl die Behandlung unklar ist.“
„Die glomeruläre Erkrankung als Folge der COVID-19-Impfung wurde als selten eingestuft, sollte aber als potenzielles unerwünschtes Ereignis überwacht werden.“
„Interessanterweise wurden im Zusammenhang mit dem COVID-19-Impfstoff von Pfizer-BioNTech verschiedene Arten von Vaskulitiden, einschließlich der mit anti-neutrophilen zytoplasmatischen Antikörpern (ANCA) assoziierten Vaskulitis, gemeldet“, schreiben die Forscher. „Infolgedessen wird derzeit in mehreren laufenden klinischen Studien das Sicherheitsprofil des COVID-19-Impfstoffs untersucht“.
Laut dem Vaccine Adverse Event Reporting System (VAERS) wurden seit dem 14. Dezember 2020 83 Fälle von AAV nach einer COVID-19-Impfung an VAERS gemeldet. Von den 83 gemeldeten Fällen werden 63 Fälle dem COVID-19-Impfstoff von Pfizer zugeschrieben.
Obwohl VAERS als Frühwarnsystem zur Erkennung seltener unerwünschter Ereignisse wie AAV eingesetzt werden kann, ist die Untererfassung eine der größten Schwachstellen dieses passiven Überwachungssystems.
Laut den Centers for Disease Control and Prevention bezieht sich der Begriff „underreporting“ [„Untererfassung“] auf die Tatsache, dass VAERS nur für einen kleinen Teil der tatsächlichen unerwünschten Ereignisse Meldungen erhält. Das bedeutet, dass es wahrscheinlich mehr AAV-Fälle gibt, die nach der COVID-19-Impfung aufgetreten sind, aber nicht an das System gemeldet wurden.